Lawinenkunde für Einsteiger: Das musst du vor deiner ersten Skitour wissen
Wer im Winter abseits gesicherter Pisten unterwegs ist, bewegt sich im potenziellen Lawinengelände. Grundlegendes Lawinenwissen ist daher keine Kür, sondern Pflicht. Dieser Überblick richtet sich an Einsteiger und soll helfen, Risiken besser zu verstehen – ersetzt aber keinen Kurs.
1. Wie entsteht eine Lawine?
Eine Lawine entsteht, wenn sich eine Schneeschicht von der darunterliegenden Schicht löst und ins Rutschen gerät. Entscheidend sind drei Faktoren:
❄️ Schneedeckenaufbau
Die Schneedecke besteht aus mehreren Schichten. Problematisch wird es, wenn:
- sich eine harte Schneeschicht auf einer schwachen Schicht befindet
- kantige Kristalle („Schwimmschnee“) im unteren Bereich liegen
- sich Triebschnee auf einer glatten Altschneeschicht ablagert
Instabile Schichten können schon durch geringe Zusatzbelastung brechen – etwa durch einen einzelnen Skifahrer.
📐 Hangneigung
Die meisten Lawinen gehen in Hängen zwischen 30 und 45 Grad ab.
Faustregel: Wenn du beim Aufstieg Spitzkehren brauchst, bist du oft im kritischen Bereich.
🌬 Wind & Wetter
Wind verfrachtet Schnee und bildet gefährliche Triebschneepakete. Rasche Erwärmung, starker Neuschnee oder Regen erhöhen die Lawinengefahr zusätzlich.
2. Der Lawinenlagebericht richtig lesen
Vor jeder Skitour Pflicht: der aktuelle Lawinenlagebericht.
Er enthält:
- Gefahrenstufe (1 bis 5)
- Expositionen (z. B. Nordhänge betroffen)
- Höhenangaben
- Problemarten (Triebschnee, Altschneeproblem, Nassschnee etc.)
Wichtig: Die Gefahrenstufe allein reicht nicht. Auch bei Stufe 2 („mäßig“) passieren viele Unfälle – oft durch Fehlinterpretation.
3. Warnzeichen im Gelände erkennen
Achte während der Tour auf folgende Alarmsignale:
- „Wumm“-Geräusche (Setzungsgeräusche)
- Rissbildung rund um deine Ski
- Frische Lawinen in ähnlicher Hanglage
- Starker Wind mit Schneeverfrachtung
- Deutlich spürbare Temperaturerwärmung
Treten mehrere dieser Faktoren auf, ist Zurückhaltung gefragt.
4. Standard-Notfallausrüstung – und warum sie Pflicht ist
Jede Person im freien Gelände braucht:
- LVS-Gerät (eingeschaltet!)
- Lawinensonde
- Lawinenschaufel
Optional, aber empfohlen:
- Lawinenairbag
- Biwaksack
- Erste-Hilfe-Set
Wichtig: Nur Ausrüstung zu besitzen reicht nicht. Regelmäßiges Training ist entscheidend – besonders das schnelle Sondieren und Schaufeln.
5. Die 3 wichtigsten Grundregeln für Einsteiger
1️⃣ Defensive Tourenwahl
Wähle zu Beginn einfache Routen mit moderater Hangneigung und übersichtlichem Gelände.
2️⃣ Abstand halten
Im Aufstieg mit ausreichend Abstand gehen.
Gefährliche Hänge einzeln befahren – nie gesammelt.
3️⃣ Im Zweifel umdrehen
Unsicherheit ist ein Warnsignal. Wenn sich Bedingungen schlechter anfühlen als erwartet: abbrechen.
🧭 Kompakte Checkliste vor jeder Skitour
- Lawinenlagebericht gelesen
- Wetterentwicklung geprüft
- Route mit Hangneigungen analysiert
- LVS-Check in der Gruppe durchgeführt
- Notfallplan besprochen
- Zeitreserve eingeplant
Fazit
Lawinen sind kein Zufallsereignis. Sie folgen physikalischen Gesetzmäßigkeiten – und diese lassen sich verstehen. Wer sich Wissen aneignet, defensiv plant und Entscheidungen nüchtern trifft, reduziert sein Risiko erheblich.
Skitouren bedeuten Freiheit im Winter – doch Sicherheit entsteht durch Vorbereitung.














